01.06.10
Jährlich prämiert der bilaterale Walter-Henn-Förderpreis die beste Abschlussarbeit an deutschen und polnischen Hochschulen zum Thema zukunftsfähige Arbeitswelten und wird gemeinsam vom polnischen Architektenverband SARP und dem BDA getragen.
In diesem Jahr ehrt der mit 2.500 € dotierte Preis die Abschlussarbeit
„Islamisches Zentrum in Aachen“ von Kalliopi Ousoun-Andreou und Stanimir Zhelyazkov als Absolventen der RWTH Aachen.
Die Jury hat sich für das Islamische Zentrum als Preisträger des diesjährigen Walter-Henn-Förderpreises entschieden, weil die Arbeit in beispielhafter Weise einen architektonisch-räumlichen Beitrag auf eine aktuelle sozial-gesellschaftliche Fragestellung formuliert – auf die Frage, wie in Deutschland der Dialog der Kulturen intensiviert werden kann.
Die große Leistung der Abschlussarbeit liegt in der erreichten Raumkonzeption, die die islamische Glaubensausübung und interkulturelle Aktivitäten miteinander verschränkt. Mit dem Weiterbau der bestehenden Moschee in Aachen zu einem Islamischen Zentrum rückt der ehemals versteckt gelegene Ort des Glaubens in das öffentliche Leben und lädt mit geistlichen und weltlichen Räumen (Schule, Café, Konferenzräume) zu einer konfessionsübergreifenden Nutzung ein. Diese gelungene architektonische Vernetzung von Räumen des Glaubens, des Arbeitens und des Lebens eröffnet einen zukunftsoptimistischen Weg für die kulturelle Integration.
Der eigenständige Charakter der Abschlussarbeit wird in der architektonischen Haltung und konsequenten Umsetzung gesehen, die die vorhandene Moschee in Aachen funktional und gestalterisch weiterdenkt, ohne dabei die Spuren der Vergangenheit zu verwischen. Dabei beziehen sich die Absolventen insbesondere auf die Baugeschichte der Moschee in Cordoba. Das sich hierauf begründende Prinzip der „fugenlosen Erweiterung“ verdeutlicht sich bspw. an der bestehenden Qiblawand, die in dem Erweiterungsbau in rechteckige Stützen aufgelöst und mit den neuen, runden Stützen kontrastiert wird. Die Ausbildung des Kapitells, die von dem einfallenden Tageslicht gekrönt werden, darf als Wertschätzung der Architektur von Axel Schultes, Charlotte Frank und Christoph Witt gelesen werden.
Insgesamt ist aus Sicht der Jury ein durchdachtes Konzept für eine sozial-gesellschaftliche Aufgabe schlüssig in Architektur überführt worden, die mit Atmosphäre, Dichte und funktionaler Qualität überzeugt und die zugleich Reminiszenzen an die Baugeschichte enthält.
Weitergehend wurden drei Auszeichnungen vergeben:
Agata Guzik, Absolventin der Hochschule Warschau, entwirft das „Research and Rescue Center Mexiko“ in Mexico. Ihr innovatives Konzept formuliert für extreme klimatische Bedingungen Arbeitsräume für die Forschung, die in ihrer radikalen Reduktion eine überzeugende räumliche Struktur ausbilden.
Das „Stadtarchiv Köln“ von Jörg Beineke, Hochschule Bochum, erreicht mit den Kuben für das Magazin und den Arbeitsbereich eine stadtbauliche Kraft und bildet zugleich funktional und räumlich hervorragend konzipierte Arbeitsstätten aus, die in fast poetischer Weise Architektur erlebbar gestalten.
Das von Melanie Hammer und Waschma Sahin, TU München, konzipierte „Algenkulturzentrum in den alten Salzgärten von Cádiz“ manifestiert architektonisch die zukunftsweisende Idee, wie durch eine ökologisch ausgerichtete Industrie eine strukturschwache Region revitalisiert werden kann.