| Preis: | BDA-PREIS BERLIN 2009 |
| Titel: | Mittelpunktbibliothek |
| Ort: | Berlin |
| Architekt: | Bruno Fioretti Marquez Architekten mit Nele Dechmann |
| Bauherr: | Land Berlin, Abteilung Umwelt, Grün und Immobilienwirtschaft |
Der Ort am historischen Altmarkt bildet mit seinen Blickbeziehungen eine Schnittstelle zwischen Stadt und Landschaftsraum. Die städtebaulich wirksame Neuordnung stärkt den spezifischen Ortscharakter. Der kompakte, räumlich komplexe, in 64 cm starkem, massivem Sichtmauerwerk tragend ausgeführte Neubau ergänzt – an Stelle eines eingeschossigen Gebäudes – das bestehende Ensemble im Maßstab der Nachbarschaft. Eine gläserne Fuge bildet als Ausleihe die Schnittstelle zwischen Alt und Neu, Verwaltung und Bibliothek. Die Bibliothek erhält mit dem zwei- bis dreigeschossigen Lesebereich einen neuen urbanen Innenraum, der einerseits durch die plastisch gestaltete, weiß gestrichene Dachkonstruktion charakterisiert wird, andererseits den Spreeblick bildhaft durch die gerahmten, innen aufgesetzten Fenster hindurch inszeniert. Durch Oberlichter, die tiefliegend in einzelne Querrippen des markanten Dach-Faltwerks integriert sind, fällt zusätzliches Tageslicht tief in den Lesesaal. Neben der Dachkonstruktion aus Brettschichtholz und den massiven Ziegelaußenwänden besteht das Gebäude aus zwei weiteren „Elementen“, der Möblierung aus MDF und einer aussteifenden plastischen Betonstruktur.
Bericht der Jury: Die städtebaulich wirksame Neuordnung prägt den spezifischen Charakter des Orts, der durch seine Lage am historischen Altmarkt geprägt ist. An einem durch schlichte Fabrikgebäude geprägten Uferareal formuliert der Neubau mit der bestehenden Schule und dem „Hexenhaus“ sowohl funktional als städtebaulich ein neues Ganzes. Dies gelingt einerseits durch die Wiederherstellung der historischen Platzform sowie die Neuordnung des Altmarktes und die Herstellung eines grünen Hofbereiches. Die Art und Wahl der Verlegung des Bodenpflasters unterstützt in gelungener Weise diese Absicht. Im Inneren öffnet sich ein über drei Geschosse reichender Gesamtraum, der durch die raffinierte Anordnung von Lufträumen die Einheit des Raumes erlebbar macht, ohne die Abgrenzungen unterschiedlicher Lesebereiche zu verhindern. Die massive 64 Zentimeter starke Außenwand des Gebäudes aus Ziegelsteinen integriert das Gebäude in die Umgebung und stellt gleichzeitig den öffentlichen Charakter heraus. Die unterschiedlich großen und kompositorisch angeordneten Fenster bieten von Innen überraschende und reizvolle Ausblicke und strahlen bei aller Ernsthaftigkeit eine gewisse Heiterkeit aus. Dadurch erreichen es die Verfasser ein freundliches, und die unterschiedlichen Altersgruppen der Nutzer ansprechendes, öffentliches Haus zu errichten, das den öffentlichen Raum eindeutig als solchen kenntlich macht. Die gewählte Dachkonstruktion ist angemessen, aber gleichzeitig originell und unterstützt
wiederum die städtebauliche Integration.
Das Haus ist im Detail sorgfältig geplant. Von der Lichtführung durch die Dachkonstruktion aus Holzleimbindern bis zur Ausführung der Regale aus MDF folgt es einer konsequent, bescheidenen Detailbearbeitung.
Die Behandlung der Böden und Regale mit wohlriechenden Imprägnierungsmitteln führt darüber hinaus zu einem olfaktorischen Vergnügen.