Prämierte Architektur
Besuchergebäude Gedenkstätte Dachau, Dachau
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Foto: Stefan Müller-Naumann
Preis:BDA Preis Bayern 2010
Titel:Besuchergebäude Gedenkstätte Dachau, Dachau
Ort:Dachau
Architekt:Florian Nagler Architekten GmbH, München
Bauherr:Stiftung Bayerische Gedenkstätten, München

 

Beurteilung der Jury:
In den letzten Jahren wurde der Zugangsweg vom Parkplatz zur KZ-Gedenkstätte Dachau neu gestaltet. In diesem Zusammenhang entstand auch ein Besucherzentrum, das nicht als Haus im klassischen Sinne, sondern als Ort zu verstehen ist. Angeregt durch die großzügige und dennoch selbstverständliche und gelassene landschaftliche Gestaltung des neuen Zugangbereichs wurde darauf verzichtet, das Gebäude direkt an oder auf den Gehbereichen anzuordnen. Ganz bewusst wurden städtebauliche Bezüge zur umliegenden Bebauung und zur ehemaligen Lagerarchitektur vermieden. Vielmehr fügt sich das Gebäude wie selbstverständlich in die neue Zugangssituation ein und orientiert sich in seiner Lage eher an der Geometrie des Gehbereichs und den vorhandenen Bäumen. Langfristig gesehen wird das Gebäude zu einem integralen Bestandteil der Gehölzgruppe. Das Problem, trotz der Lage an zwei verschiedenen Erschließungswegen einen eindeutigen Eingangsbereich formulieren zu müssen, wird mittels eines gemeinsamen Eingangshofs gelöst, der auch zum Verweilen einlädt. Von hier aus hat man direkten Zugang zum Foyer mit Informationsbereich und Audioguide-Ausgabe, außerdem zum Buchladen und zur Cafeteria. Das Erscheinungsbild des Gebäudes wird von zwei quadratischen Platten aus sandgestrahltem Sichtbeton bestimmt, einer Sockelplatte und einer Dachplatte, die von einer Vielzahl von Vollholzstützen aus sägerauer Douglasie mit silbrig grauer Lasur getragen wird. Längs- und Querwände im Innern steifen die Konstruktion aus. Der Raumabschluss wird überwiegend durch großformatige Verglasungen gebildet. Durch den breiten Dachüberstand und die dichte Stellung der unterschiedlich geneigten Stützen wird kein zusätzlicher Sonnenschutz benötigt. Mehrere kleine Innenhöfe perforieren das Gebäude und sorgen für natürliche Belichtung und Belüftung sowie ein angenehmes Klima im Inneren des Gebäudes. Die Atmosphäre im Gebäude wird ganz wesentlich vom Spiel aus Licht und Schatten, das durch die leichte Schrägstellung der Stützen entsteht, und durch die Dialektik der sägerauen Wandoberflächen im Kontrast zu den glatten, matt glänzenden Böden und Deckenuntersichten geprägt. Die Jury schätzt den unprätentiösen, aber sensiblen Charakter dieses pavillonartigen Bauwerks. Vor und nach dem Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte steht den Besucherinnen und Besuchern ein geeigneter Ort zur Verfügung, etwas Ruhe zu finden.

www.bda-preis-bayern.de

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