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Der BDA-SARP-Award 2019 geht nach Krakau

18. Juni 2019

Der Bund Deutscher Architekten BDA und der polnische Architektenverband SARP haben den diesjährigen BDA-SARP-Award verliehen. Der mit 2.500 € dotierte bilaterale Nachwuchsförderpreis wird an Absolventen der Fachrichtung Architektur vergeben.

Der Hauptpreis ging an eine Absolventin der Technischen Universität Krakau. Darüber hinaus gingen eine besondere Auszeichnung nach Breslau und drei Auszeichnungen nach München und Nürnberg. 

Der BDA-SARP-Award zeichnet jährlich herausragende Abschlussarbeiten im Fach Architektur aus. Die aus allen Nominierungen der Hochschulen ausgewählten Finalisten – jeweils neun Absolventen beider Länder – nahmen an einem Workshop in Warschau teil. Die beiden Verbände möchten mit dem Preis junge Architekten fördern und den Dialog zwischen polnischen und deutschen Architekten stärken.

Mit dem BDA-SARP-Award 2019 wurde Dominika Strzałka (Cracow University of Technology) für ihr Projekt “Miedzianka, the history of disappearing” ausgezeichnet (2.500 €).

Dominika Strzałka
Dominika Strzałka
Hauptpreis Dominika Strzałka

Dominika Strzałka überzeugte die Jury mit ihrer Methode der Wahrnehmung von Miedzianka – einer Stadt im polnischen Unterschlesien, die langsam, aber stetig verfällt. Nach Jahrhunderten der Katastrophen – ob durch Naturereignisse, Epidemien, Politik, Militär und zuletzt durch den Bergbau ausgelöst – wird über den Resten des alten Miedzianka eine aufgeständerte Stahlkonstruktion hinzugefügt. Diese ist öffentlich zugänglich und ermöglicht Besuchern die Besichtigung des Verfalls, außerdem soll sie als Katalysator für die zukünftige Entwicklung des Ortes dienen. Laut Jury wurde damit „das Ergebnis der vergangenen Miseren in eine positive und kreative Wahrnehmung der Historie einer Stadt überführt“. Die außergewöhnliche Qualität des Projektes bestehe in der Versinnbildlichung dieses Kräfteverfalls in einem Palimpsest.

Außerdem vergab die Jury eine besondere Auszeichnung an Michał Wasielewski (University of Science and Technology Wrocław) für die Abschlussabeit “City Treasure. Storage for National Museum in Gaj Hill”.

Michał Wasielewski
Michał Wasielewski
Besondere Auszeichnung Michał Wasielewski

Die Arbeit führt den Gaj-Hügel, der aus Trümmern der im zweiten Weltkrieg  zerstörten Stadt Wrocław/Breslau aufgeschüttet wurde, zurück in das kollektive Gedächtnis. Die in diesem Hügel verborgene Kunst soll Gegenstand der Reflexion über die Leistung der Menschheit sein.

Auszeichnungen gingen an:

Maximilian Blume (Technische Universität München): „Utopia. Urbanization and corporate living“

Maximilian Blume
Maximilian Blume
Auszeichnung Maximilian Blume

Das Projekt zeigt den Mut, eigentlich unbebaubare Grundstücke wie Eisenbahntrassen für den Neubau von innerstädtischem Wohnraum heranzuziehen. Bei dem ausgearbeiteten Vorschlag verbindet eine Wohnbrücke bestehende Quartiere miteinander, wobei die Organisation der inneren Erschließung Gemeinschaftseinrichtungen ermöglicht.

 Sebastian Strobl (Akademie der Bildenden Künste München): „simply be there”

Sebastian Strobl
Sebastian Strobl
Auszeichnung Sebastian Strobl

Ausgezeichnet wurde damit ein komplexer Vorschlag für den Bau eines aufgeständerten Wohnturms aus additiven Einheiten, die sich von den Einflüssen der Umgebung abschirmen. Das kugelförmige Innere der einzelnen Elemente bietet dabei einen Raum für die gewünschte Kontemplation. Die Jury erkannte darin eine zeitgenössische Vision für ein altes Bedürfnis der Zivilisation.

Fabian Weis (Technische Hochschule Nürnberg): „Archive for the collective memory. Reinterpretation of the postwar modernist housing estate at the Einsteinring Nürnberg“

Fabian Weis
Fabian Weis
Auszeichnung Fabian Weis

Vor dem Postulat des Scheiterns einer typischen Siedlung der Nachkriegsmoderne, dem Einsteinring in Nürnberg,  wird eine „Reinterpretation“ der leergezogenen Struktur als Friedhof, als „Raum der Melancholie“, durchgespielt. Dabei bilden vorhandene Mauern und Höfe einen abgeschlossenen Garten aus. So sollen die Reste eines gescheiterten Experiments der Moderne zu einem Archiv des kollektiven Gedächtnisses werden, welches das Bewusstsein für die Vergänglichkeit und den Tod in den alltäglichen städtischen Raum trägt.

Folgende herausragende Absolventinnen und Absolventen wurden ebenfalls für die finale Juryrunde ausgewählt und nahmen neben den genannten Preisträgern am Workshop in Warschau teil:

Dorota Maria Baraniecka (Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg): „Cultural Center in Lisbon, Portugal“

Arnaud Charoy (FH Aachen): „Workbench. Tools as an intersection between the city and individuals”

Marek Golab (Hochschule Düsseldorf): „+ 10.000 new housing. The quarters in central Düsseldorf”

Adam Jankowski (Poznan University of Technology): „Scientific research station with hotel facilities of the Łazy reservation”

Anna Dominika Lenga (Bialystok University of Technology): „Columbarium in Elk”

Aleksander Maciak (Warsaw University of Technology): „School on Żoliborz. Space Design and its Influence on Children’s Education”

Aleksandra Nowotniak (Wrocław University of Science and Technology): „Restoration school for the ancient city ruins of Herculaneum in Italy. The gate between past and future”

Michał Pieczka (Wrocław University of Science and Technology): „Bridge for Wrocław. Form, Structure, Function”

Agnieszka Roś (Warsaw University of Technology): „Darkness in architecture, architecture in darkness. Astronomical observatory in the Park of the Dark Sky”

Joel Saldeck (Hochschule Bochum): „Household affairs. Future of Living

Filip Strzelecki (Warsaw University of Technology): „The Benedictine Monastery in Norcia. A manifesto of cultural continuity”

Samila Sydiq, Thomas Klinkhammer (RWTH Aachen): „Foro U‘Miccatu and Collegio Lirico. Catalyzing the revitalization of a historic city district”

Max von Moltke (Karlsruhe Institut für Technologie): „MINUS 90. An architectural approach for the reduction of plastic emissions in rivers

Der Jury gehörten an: Marcin Brataniec (Architekt, Krakau), Aysin Ipekci (STUDYO ARCHITECTs, Köln), Magdalena Kozień-Woźniak (Architektin, Krakau), Grzegorz Stiasny (Architekt, Warschau) und Jan Wirth (Wirth Architekten, Bremen).

Der BDA-SARP-Award geht auf eine Initiative von Walter Henn zurück, der damit den deutsch-polnischen Dialog in Zeiten des Eisernen Vorhangs belebte. Seit 2011 wird der Preis in der jetzigen Form durch die beiden Verbände ausgelobt. 2020 wird der BDA-SARP-Award mit Workshop, Jurysitzung und Preisverleihung wieder in Berlin stattfinden; die Auslobung wird im Frühjahr veröffentlicht.

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