Dirk Altenkirch

Erweiterung Hochschule für Gestaltung Pforzheim

Holzgartenstraße 36, 75175 Pforzheim

Dirk Altenkirch

Erweiterung Hochschule für Gestaltung Pforzheim

Projekt
Erweiterung Hochschule für Gestaltung Pforzheim
Architekt
MGF Architekten GmbH Armin Günster, Hartmut Fuchs, Josef Hämmerl, Jan Kliebe
Bauherr
Land Baden-Württemberg vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg - Amt Pforzheim

Das bereits zu seiner Entstehungszeit unvollendet gebliebene Ensemble der ehemaligen Grossherzoglichen Kunstgewerbeschule aus dem Jahr 1911 wird in der Arbeit von MGF Architekten fast hundert Jahre später mit einer geglückten Erweiterung des Ostflügels abgeschlossen. Ein Haus mit zwei Gesichtern entsteht, welches die Architektur des Jugendstilbaus in seinem Verhältnis von Schwere und Leichtigkeit, Geschlossenheit und Öffnung reflektiert und in eine neue Kubatur umsetzt. Mit der zeitgenössischen, präzisen Architektur vermag es aus der Vergangenheit in die Zukunft überzuleiten, ohne die Würde der benachbarten Altbauten jemals mit ihrer Modernität zu belästigen.
Schwer ist der Neubau zu den Strassen der Stadt. Eine reduzierte Natursteinfassade übernimmt die Materialität des Altbaus und setzt sie in einem turmartigen Abschlussgebäude perfekt in Szene, ernsthaft blicken die präzise gesetzten, rationalen Öffnungen zur Stadt, kleine quadratische Kastenfenster gliedern äusserst reduziert die strenge Lochfassade in Sockel, Wand und Attikageschoss, die Übersetzung der Struktur des Altbaus wird mit den Mitteln der Reduzierung und Abstraktion im Neubau aufgenommen, auf ein Minimum reduziert und bis in die Materialbehandlung durchdekliniert: vom gestockten Sandstein im Sockel führt das Fassadendetail über die raugesägten Natursteinplatten der Lochfassade bis hin zum abstrahierten, masstäblich überhöhten geschlossenen Attikageschoss darüber.
Nichts ist hier zuviel, gewürdigt wird, dass aber auch nichts zu wenig ist: Die Architekten finden als Ausdruck für einen Erweiterungsbau eines Jugendstildenkmal den Typus des „Eckrisalits“, der verblüffend anpassungsfähig zum Altbau ist und – überzeugen kann in seiner raffinierten Eigenständigkeit.
Zum Garten, zum Innenhof entsteht das überraschende „zweite Gesicht“, ein ebenso präzis bearbeiteter Stahl- und Glasbau, feinstens ausdetailliert, der mit seinen leichten Balkonen und riesigen Glasflächen ein gelungenes Gegengewicht zu den schweren steinbekleideten Strassenfassaden bildet. Bemerkenswert ist für diesen Hochschulbau die Radikalität, mit der die Architekten ihre minimalistische Entwurfslösung bis ins letzte Detail, bis in die flexiblen Grundrissgestaltungsmöglichkeiten umsetzen können, ohne die Altbauten zu entwerten. Bemerkenswert ist, wie es den Architekten gelingt, über das Spiel von steinerner Geschlossenheit zu transparenter Offenheit, über den kompletten Gegensatz also, einen neuen, übergeordneten Zusammenhang im Ensemble aus Alt- und Neu zu schaffen und dem historischen Ensemble eine neue, gemeinsame Identität zu überlagern. Der Beitrag wird nicht nur als ein gelungener Beitrag und Anregung zum zeitgenössischen Bauen im historischen Umfeld gewürdigt, er ist beispielhaft.

Dirk Altenkirch
Dirk Altenkirch
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