Fotos: Constantin Meyer, Köln

Gestüt am Schlossgarten, Hochheim-Massenheim

Wickerer Straße, 65239 Hochheim-Massenheim

Fotos: Constantin Meyer, Köln

Gestüt am Schlossgarten, Hochheim-Massenheim

Preisträger "Große Häuser, kleine Häuser – Ausgezeichnete Architektur in Hessen" 2003-2008 Johann-Wilhelm-Lehr-Plakette
Projekt
Gestüt am Schlossgarten, Hochheim-Massenheim
Architekt
Reichel Architekten BDA

Nachhaltiges Bauen im Bestand heißt auch, vor Ort zu bleiben und bestehende Gebäude mit ihren Unzulänglichkeiten nicht aufzugeben, sondern weiterzuentwickeln. Eine alte, bereits mehrfach umgebaute und ergänzte Hofreite, heute als Gestüt genutzt, sollte um Büroräume und eine Empfangshalle für die bestehenden Bauten erweitert werden. Der dafür entwickelte Kubus sitzt als neue geometrische Form zwischen den Altbauten und bildet eine neue, gemeinsame Eingangssituation. Die transparente Stahlkonstruktion steht auf zwei Betonrahmen, die als „Schleusen“ zwischen den Baukörpern fungieren und zwischen den unterschiedlichen Maßen und Toleranzen der bestehenden Gebäude vermitteln. Durch den Stahlkubus werden die einzelnen Elemente gestalterisch geklärt und gleichzeitig konstruktiv verbunden. Von der Empfangshalle aus wird das Lager im Untergeschoss erschlossen. Die Büroarbeitsplätze im Obergeschoss liegen einerseits zurückgezogen, sind aber andererseits vom Wirtschaftshof aus leicht erreichbar. Im Zwischenraum zur Brandwand des Nachbargebäudes, ein ehemals dunkler Restraum, befindet sich ein beleuchtetes Wasserbecken. Dieses prägt die Lichtstimmung im Gebäude und funktioniert als einfache Kühlung im Sommer. Die Fassade, eine gemeinsame Entwicklung des Architekten, des Fassadenbauers und des Wuppertal-Instituts, wurde als ökologisch nachhaltiges und toxikologisch unbedenkliches System ausgebildet und ist aus mehreren Schichten aufgebaut. Sie besteht aus einer lackierten Stahl-Glas-Konstruktion, vor der Senk-Klappläden eine zweite Schicht als beweglichen Sonnenschutz bilden. Am Beispiel dieser Fassade finden zurzeit Forschungen statt, die in einen normierten Nachweis zur Nachhaltigkeit der verwendeten Baumaterialien münden sollen.

Juryurteil
Die Arbeit zeigt, dass Bauen im Bestand nicht notwendigerweise Anpassung heißt. Vielmehr zeigt sich der neue Baukörper selbstbewusst und eigenständig und bildet zusammen mit den vorhandenen Altbauten ein harmonisches Ensemble. Diese scheinbare Selbstverständlichkeit stellt hier etwas sehr Besonderes dar, da es sich bei den bestehenden Bauten um Baudenkmäler von großem Wert handelt. Sowohl die Detaillierung der mehrschichtigen Fassade als auch die Ausformulierung der Details im Innenraum zeugen von einer hohen Qualität der Arbeit. Die Jury lobt den Einsatz und die Haltung von Bauherr und Architekt und die konsequente Umsetzung einer architektonischen Idee.

Foto: Constantin Meyer, Köln
Foto: Constantin Meyer, Köln
Fotos: Constantin Meyer, Köln
Fotos: Constantin Meyer, Köln
Foto: Constantin Meyer, Köln
Foto: Constantin Meyer, Köln
Foto: Constantin Meyer, Köln
Foto: Constantin Meyer, Köln
Foto: Constantin Meyer, Köln
Foto: Constantin Meyer, Köln